Wie kam das Projekt zu Stande?

Vom 20. – 22.März 2020 fand der #wirvsvirus Hackathon der Bundesregierung statt. Ziel war es Lösungen für Probleme im Rahmen von Covid19 zu finden. Währenddessen war am 21. März auch der Internationale Tag gegen Rassismus und Diskriminierung. Er ist all jenen gewidmet, die rassistische Machtbeziehungen anprangern und sich für Gleichbehandlung einsetzen. Dieser Tag ist wichtiger denn je. Nicht nur der Covid19 verbreitet sich, auch Rassismus verbreitet sich in der Krise mehr und mehr. Verstärkt von der medialen Berichterstattung, werden Vorurteile sichtbar und asiatisch gelesene Menschen immer häufiger rassistisch beleidigt und angegriffen.
Als einziges von über 1500 Projekten haben wir uns mit dem Thema Rassismus im Zusammenhang mit Covid-19 beschäftigt. Wir wurden für beide Förderprogramme des Hackathons abgelehnt und  sind nicht einmal unter die Top 200 gekommen. Die Jury des Hackathons war komplett weiß besetzt. Wir möchten mit dieser Plattform in erster Linie Betroffenen einen Raum für ihre Erfahrungen und Empowerment geben. An zweiter Stelle möchten wir aufzeigen, dass Diversität nicht nur gelobt, sondern auch gelebt werden sollte. Dieses Projekt existiert nur, weil sich ein Team ohne Bezahlung, Förderung und Lobby daran gesetzt hat.

Ichbinkeinvirus.org ist Dein Netzwerk gegen Rassismus.

Auf dieser Plattform können seit unserem Livegang am  29.5.2020 Betroffene ihre eigenen Erfahrungsberichte hochladen und veröffentlichen. Hier geht es darum, individuelle Stimmen sichtbar zu machen und zu dokumentieren. Wenn Sie möchten, werden Ihnen empowernde AkteurInnen und Beratungsstellen an die Hand gegeben.

Ichbinkeinvirus.org ist ein ehrenamtliches Projekt von uns Studierenden und ArbeiterInnen in den Bereichen Kunst, Medien, Strategie und Web-Entwicklung. Mit dem Anstieg des Rassismus gegen asiatisch gelesene Menschen auf globaler Ebene durch Covid19 haben wir uns bestärkt ein Netzwerk vor allem für Betroffene zu kreieren.

In Solidarität mit anderen Communities mit Migrationsgeschichte und marginalisierten Gruppen wollen wir den alltäglichen Rassismus aufdecken und uns gegen die vorherrschenden Machtbeziehungen aussprechen. Rassismus ist ein globales Problem und hiermit haben wir in Deutschland die Möglichkeit, ein Gespräch über Antirassismus in einem Kollektiv von Ländern zu führen, das strukturellen Rassismus ständig leugnen will.

Unsere Vision war diese Seite Open Source und mehrsprachig weltweit zur Verfügung stellen zu können. Dies ist ohne Förderung leider nicht möglich.

Wir sind keine AntirassismusexpertInnen, wollten uns aber mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln für die Betroffenen engagieren. 

Wir zahlen laufende Kosten aus privater Tasche. Wer eine Spende für laufende Serverkosten, permanente Contentpflege oder ein gemeinsames Abendessen da lassen möchte:

Das fünfköpfige Team

My

Ich bin Frontend-Entwicklerin und war Feuer und Flamme als ich von der Idee erfuhr. Mir liegt es sehr am Herzen, dass Betroffene eine Stimme erhalten und Awareness geschaffen wird. Den Alltagsrassismus bin ich gewohnt, aber seit der Pandemie hat es eine neue Dimension angenommen. Ich fühle mich in meinem Heimatland nicht mehr wohl. Doch neben den negativen Erfahrungen hat mich der Support besonders von Fremden sehr gerührt. Sie haben mir die Kraft gegeben auch nach Feierabend bis in die Morgenstunden an der Entwicklung zu sitzen. Meine Augenschatten sind zwar dunkler denn je, aber das war es wert! Ich wünsche mir, dass das Thema gehört und vorallem ernstgenommen wird. Doch dafür müssen wir aufhören still zu bleiben und anfangen laut zu werden! Lasst uns Rassismus keinen Raum geben!

Philipp

Hi, ich bin Software-Entwickler in Berlin. Als ich von dem Projekt gehört habe, fand ich die Idee super und freue mich, mitzumachen. Lasst uns solidarisch sein!

Susa

In Deutschland als Kind von Eltern asiatischer Herkunft geboren. Ich hoffe, dass wir mit dieser Seite dazu beitragen können, dass sich von rassistischen Angriffen betroffene Menschen gehört und gestärkt fühlen.

Thi Minh Huyen Nguyen

Ich bin freie Autorin, Marathonläuferin und studiere im Master Medienwissenschaften. Ich lebte einige Zeit in den USA und durfte an der Seite meiner Freund*innen mit Migrationsgeschichten ihrem täglichen Aktivismus für mehr Gerechtigkeit und Freiheit zuhören und mit ihnen (ent)-lernen. Mit einem wachsenden politischen Selbstbewusstsein, setze ich mich sowohl im öffentlichen als auch im privaten für mehr Repräsentation und BIPOC Stimmen ein, insbesondere die von Frauen of Color. Nach dem Motto “your personal is your political”, versuche ich marginalisierte Stimmen zu bestärken. Sei es mit meinem Schreiben, meiner Laufgruppe Wayvrunkollektiv, oder meine Unterstützung in Projekten wie BiwocRising und ichbinkeinvirus.org. Anti-Asiatischer Rassismus war schon immer da, aber durch Covid19 ist unsere anti-rassistische Arbeit dringlicher geworden. Vor allem in einer weißen Mehrheitsgesellschaft ist es umso wichtiger sich stark zu machen und eine neue Zukunft für die nächste Generation mit zu verändern.

Victoria Kure-Wu

Ich konzipiere Websites und Apps in Berlin und schaue mir berufsbedingt täglich Bedürfnisse von Menschen an. Basierend auf den Bedürfnissen von Betroffenen haben wir dieses Projekt angestoßen. Meine Mutter war die erste in meinem engen Umfeld, die auf offener Straße so beleidigt wurde, dass sie die Polizei gerufen hat. Sie wollte damit an die Öffentlichkeit gehen, aber ein Fernsehteam hat sich an ihrem Akzent gestört, sodass sie ihre Erfahrung nicht öffentlich machen konnte. Mein Traum war es, dieses Problem mit einer Website zu lösen. Es ist schön und ein Armutszeugnis zugleich, dass wir uns ohne Förderung nächtelang hinter dieses Projekt geklemmt haben. Mein Wunsch an dich: Sei solidarisch. Gib Menschen eine Lobby, die in höheren Machtstrukturen keine haben. Förder die, die unsichtbar gemacht werden. Mach den Mund auf gegen Rassismus – es reicht nicht, einfach "nichts" zu machen und sich alles auf dem Handy anzuschauen und mal was zu liken.
Victoria

Presseanfragen & kontakt

Ichbinkeinvirus ( a t ) gmail.com

Danke an

Anita Wan, Illustration
Julian Schneider, Designkonzept
Ehemalige Teammitglieder: Cynthia, Erika, Lea, Ngan, Sascha, Sven, Julian
Alle, die uns solidarische Nachrichten geschickt haben oder gefragt haben, wie es uns geht.