Erfahrungsbericht

06.04.2020

ich bin Meiji, 34 Jahre alt, und lebe in Berlin-Mitte.

Meine Eltern sind Hongkong-Chinesen und aufgrund meines Äußeren ist mein Leben seit drei Monaten die Hölle.

Ich muss nach wie vor Arbeiten, weil ich einer "systemrelevanten Tätigkeit" nachgehe. Jedes Mal wenn ich das Haus verlasse werde ich böse angeguckt. Häufig höre ich Leute leise "Corona" sagen, wenn sie an mir vorbeigehen.

Vor ungefähr zwei Wochen kam ich nach Hause und auf meiner Wohnungstür klebte ein blauer Aufkleber wie von der AFD. Ich konnte mehrere Tage nicht schlafen, weil ich befürchtet habe, dass mir jemand aus dem Haus etwas antun will.

Neulich habe ich einer Frau mit Kinderwagen meinen Sitzplatz im Bus angeboten, sie wollte aber lieber stehen als sich auf meinen Platz zu setzen. Wohl, weil sie befürchtet hat, dass ich den Sitzplatz kontaminiert haben könnte.

Ich war den Tränen nahe, weil ich mich so ungerecht behandelt gefühlt habe. Das letzte mal war ich in Hongkong vor dreieinhalb Jahren, ich trage definitiv nicht das Virus in mir. Die Leute sehen mich einfach an und urteilen mich direkt ab. Das ist jedes Mal so schmerzhaft, dass ich mir schon länger Gedanken mache auszuwandern. Aber das will ich nicht, denn dann hätten die Rassisten gewonnen! Und dann habe ich den Artikel über dich gelesen und das hat mir Hoffnung gegeben.